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  • Felix Schlebusch

Dopamin-Fasten, bitte was?!

‚Was hältst du vom Dopamin Fasten?’ wurde ich am Donnerstag auf der digitalen Couch des Sun Startup-Netzwerks gefragt.

Zum Glück via Chat und nicht vis-à-vis. Während Tim, einer meiner vier Mitstreiter, über das rasante Wachstum beim Lieferdienst HelloFresh berichtete, konnte ich recherchieren, wie es der überwiegend erregend wirkende Neurotransmitter des zentralen Nervensystems in den Diätkontext geschafft hat. Laut New York Times ein Trend aus dem Silicon Valley, der das Gehirn von der ständigen Dopamin-Ausschüttung durch äußere Reize im Alltag zu entwöhnen versucht. Sich für kurze Zeit dem digitalen Feuerwerk aus Whatsapp, Mail und Corona-News zu entziehen und auch sonst alle Aktivität des Alltags ruhen zu lassen, soll einen binnen kürzester Zeit wieder aufnahmefähiger und empfänglicher für Glücksmomente machen.

Passt, denke ich, eine Art spirituelles Microdosing, Digital Detox 2.0. In meiner Rolle als Experte für Kommunikation und Stress auf der digitalen Couch, positioniere ich mich spontan pro Dopamin-Fasten, berichte von der wohltuenden Erfahrung meiner täglichen Meditation und meiner Zeit im 90-tägigen Zen-Schweige-Retreat in Korea.

Im Qiio-Magazin wird das Dopamin Fasten mit dem klassischen Digital Detox gleichgesetzt und dem allgemeinen Trend hin zu mehr Entschleunigung und Achtsamkeit zugeordnet. Das körpereigene Hormon zu fasten, wird jedoch für unmöglich erachtet, da es überlebensnotwendiger Bestandteil des menschlichen Organismus ist. Dessen Ausschüttung durch achtsames Verhalten zu regulieren, ist jedoch sehr wohl möglich: „Das Handy ausschalten, etwas im Offline-Leben machen, sich auf sich selbst zurückbesinnen, entschleunigen, eine Pause machen – vielleicht auch meditieren.“ Dieser Tage leichter gesagt als getan. Wir sind es gewöhnt uns mit Freunden zu treffen, im Verein Sport zu treiben, zur Arbeit oder ins Stadion zu gehen.

In der Corona-Runde des Startup Netzwerks befanden sich alle Teilnehmenden im Homeoffice und durchleben dieser Tage unterschiedliche Gefühlswelten. Die einen mit mehr Arbeit denn je, andere im kreativen Neuerfindungsprozess und wiederum andere mit Existenzängsten. Alle jedoch mit eingeschränktem Bewegungsradius und in neuen Lebensumständen. Uns allen fehlen die Rituale und Erfahrungswerte in dieser Situation.

Ich bin mir sicher, dass jeder von uns – auch vor Corona – regelmäßig in stressverursachende Dopamin-Fallen getappt ist und in Erwartung von Facebook-Likes oder der nächsten Netflix-Folge seinen Bedarf an kurzfristigen Glücksgefühlen strapaziert hat. Die digitalen Reize sind seit Corona stabil und vielleicht hat sich manch einer zu Beginn des Kontaktverbots noch darüber gefreut endlich mal in Ruhe die Archive der Streamingdienste zu plündern. Inzwischen, nach knapp drei Wochen zu Hause, spürt jeder auf seine Art, die Grenzen des digitalen Raums und wie wichtig reale und nachhaltige Dopamin-Momente werden, um Optimismus und ein Mindestmaß an Positivität zu wahren.

Im Startup Talk wurde ich außerdem gefragt, was man in diesen Tagen tun kann, um nicht in Stress zu geraten. Das Internet ist voll von guten Tipps für den Umgang mit Isolation und Quarantäne und besserem Arbeiten im Homeoffice. Wichtiger denn je ist sicherlich eine Tagesplanung, die für ausreichend Bewegung, eine gesunde Ernährung, Beziehungspflege via Telefon oder Video und Pausen/Erholungsphasen sorgt. Persönlich empfehle ich Entspannungsübungen und den Fokus auf Dinge zu richten, die trotz der Krise gut laufen. Apropos Pause und Beziehungspflege, gutes Stichwort, mal kurz vom Laptop aufzustehen und meiner Liebsten den Bauch zu streicheln.

Ende April ist es soweit. Auf die Frage der Moderatorin im Startup Talk, wie mein Leben durch Corona beeinflusst ist, habe ich erwähnt, dass ich hoffe, meine Liebste trotz des Ausnahmezustands bei der Geburt unseres Sohnes begleiten zu dürfen. Außerdem, dass in meinem Bekanntenkreis niemand akut gefährdet ist, dass meine Jobs als Moderator alle gestrichen wurden und dass mein Beratungsmandat für das Gelsenkirchener Institut für Stressmedizin glücklicherweise bestehen bleibt.

Für das Institut arbeite ich aus dem Homeoffice und merke, welche Herausforderungen und Chancen das mit sich bringt. Wege fallen weg, in Meetings gibt es deutlich weniger Smalltalk, die Effizienz steigt. Das Institut hat es binnen 3 Wochen geschafft, alle Prozesse zu digitalisieren, bestehende Coachings und Seminare online weiterzuführen und Webinare für die Mitarbeiter und Führungskräfte zu Hause anzubieten. Darüberhinaus haben wir die Social-Media Aktivität deutlich verstärkt und ein Interview-Format entwickelt, das den Menschen zu Hause Impulse für den besseren Umgang mit Stress liefert.


Im nächsten Vlog des Instituts für Stressmedizin geht es um das Thema Resilienz. Aboniert gerne den Youtube Kanal.

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