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Eine Nachricht nach sechzig Jahren: der Reporter-Einsatz für Sat.1

 

Auf einen Blick

Felix Schlebusch, heute systemischer Coach und Supervisor (DGSF) sowie Moderator aus Herdecke im Ruhrgebiet, war 2020 als On-Air-Reporter für die Sat.1-Sendung „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich" im Einsatz. Er recherchierte vor Ort nach der Schwester von Herbert K. und überbrachte ihr die Nachricht, dass ihr Bruder sie nach sechzig Jahren sucht. Zusammengeführt hat die beiden Julia Leischik. Die Erfahrung, eine schwere Nachricht so zu überbringen, dass der andere sie aufnehmen kann, prägt heute seine Arbeit im Führungskräfte-Coaching.

 

Wer bei „Bitte melde dich" die Nachricht überbringt, weiß in diesem Moment mehr über die Familie seines Gegenübers als dieser selbst. Das ist die eigentliche Schwierigkeit. Die Kamera kommt erst danach.

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Der Fall

Im November 2020, mitten im Lockdown, war ich für „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich" als Reporter vor der Kamera unterwegs, so wie in den Jahren zuvor schon für Galileo. Herbert K. suchte seine Schwester, von der er als Kind getrennt worden war. Meine Aufgabe war, sie vor Ort zu finden und ihr zu sagen, dass ihr Bruder nach ihr sucht. Die Recherche führte über Koblenz, Berlin und Köln. Ausgestrahlt wurde der Fall erst dreieinhalb Jahre später.

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Wie sucht man einen Menschen, ohne ihn bloßzustellen?

Wer vor Ort nach jemandem sucht, klingelt bei Fremden, spricht Nachbarn an und fragt nach einem Menschen, der von der Suche nichts weiß. Dabei gilt eine Regel, die mit Takt mehr zu tun hat als mit Recherche: Die Nachricht gehört der Person, um die es geht, nicht der Nachbarschaft. Also frage ich so, dass ich weiterkomme, ohne ihre Geschichte vor anderen auszubreiten.

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Wie überbringt man eine Nachricht, die ein Leben verändert?

Dann steht man vor ihr, einem Menschen, der von diesem Bruder nur vom Hörensagen wusste und ihn seit sechzig Jahren nicht gesehen hatte. Die Versuchung ist, alles auf einmal zu erzählen: wer sucht, warum, seit wann, was wir herausgefunden haben. Das entlastet den, der erzählt, aber nicht die, die zuhört. Besser ist ein Satz, dann eine Pause, dann die Frage, was davon angekommen ist. Dazu gehört die Bereitschaft, dass die Antwort auch lauten kann: Ich will das nicht.

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Warum nach der Nachricht erst einmal Stille kommen darf

Nach so einer Nachricht kommt oft erst einmal nichts. Wer dann nachlegt, nimmt dem anderen den Moment, in dem er begreift. Vor laufender Kamera ist das schwerer, als es klingt, denn im Fernsehen wirkt Stille schnell wie ein Fehler.

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Welche Rolle hat der, der die Nachricht bringt?

Zusammengeführt hat die beiden Julia Leischik. Mein Teil endete vor dem Moment, auf den alle warten, und das war richtig so. Ich hatte die Tür geöffnet, durchgehen mussten andere. Wer das akzeptiert, kann in seinem Teil ganz bei der Sache sein, statt schon auf den nächsten zu schielen.

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Was hat das mit Führung zu tun?

Heute führe ich solche Gespräche ohne Kamera, als Coach und Supervisor. Etwa wenn eine Führungskraft eine schwere Nachricht überbringen muss oder ein Team etwas hören muss, das es nicht hören will. Das Handwerk ist dasselbe: vorher wissen, was man sagen will, dann weniger sagen, als man weiß, und die Stille dem anderen lassen. Mehr dazu im Führungskräfte-Coaching und unter Moderation.

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Die Folge bei Joyn: Als Kinder getrennt: Herbert vermisst seine Schwester

Wie es war, den Beitrag Jahre später zufällig im Fernsehen zu sehen, erzähle ich im Blogartikel Meine unerwartete Rückkehr auf die Mattscheibe.

Felix Schlebusch anfragen

Erzählen Sie mir kurz, worum es geht. Ich melde mich zügig für ein erstes Gespräch.

Schreiben an info@felixschlebusch.de oder rufen kurz durch: +49 163 2863165

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