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Kein TV-Star geworden. Und dann lief ich doch im Fernsehen.

Autorenbild: Felix Schlebusch
Felix Schlebusch
25. März 2024
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Felix Schlebusch im Gespräch mit Julia Leischik in einer Szene aus der TV-Sendung 'Bitte melde dich'. Beide sitzen an einem Holztisch, vor sich jeweils eine Tasse und ein aufgeklappter Laptop. Im Hintergrund ist ein gemütlich eingerichteter Raum mit Pflanzen und Regalen zu sehen. Julia Leischik gestikuliert lebhaft, während Felix Schlebusch aufmerksam zuhört.
Felix Schlebusch im Gespräch mit Julia Leischik

Der Sonntag war nicht besonders gut. Mit den drei Motten standen wir im Regen vor dem Gasometer in Oberhausen, zusammen mit ein paar hundert anderen Familien, vor einer Tür, die zu blieb. Auf der Rückfahrt verhandelten meine Frau und ich, ob die Minions schon etwas für Kinder unter vier sind. Ich habe gewonnen. Um sieben dann Zähneputzen, Windeln, Waschen, Buch. Ein durchwachsener, aber schöner Sonntag im März 2024.


Um halb acht fing mein Handy an zu vibrieren und hörte nicht mehr auf.


Ein Dreh von 2020, zum ersten Mal gesendet


Alte Freunde schrieben, Coachees, Kollegen, Leute, von denen ich jahrelang nichts gehört hatte. Fast alle schickten ein Foto ihres Fernsehers. Darauf war ich zu sehen, dreieinhalb Jahre jünger, als Reporter bei „Bitte melde dich“ auf Sat.1.


Mit dieser Ausstrahlung hatte ich nicht mehr gerechnet. Ich war davon ausgegangen, dass der Beitrag im Archiv geblieben war, und hatte das abgehakt. Warum mich dieser Abend trotzdem so beschäftigt hat, erklärt sich erst zwanzig Jahre früher.


Der Fahrer, der hinten sitzen wollte


2004 fuhr ich in Berlin Shuttle. Ich brachte Prominente zu Veranstaltungen und wieder nach Hause: Agenten, Produzenten, Leute aus dem Fernsehen, ein paar angenehme, ein paar weniger. Ich war sicher, dass ich bald selbst hinten sitzen würde.

Wenn die Chemie stimmte, erzählte ich von meinen Plänen. Nach einer Party saß ein Fernsehproduzent auf der Rückbank. Ich erklärte ihm, dass ich eines Tages ein Millionenpublikum begeistern würde. Er und seine Begleitung lachten. Seine Karte bekam ich trotzdem, dazu die Erlaubnis, ihm Material zu schicken.

Ich habe es geschickt. Es kam keine Antwort. Neun Jahre später schrieb ich ihm noch einmal, inzwischen war ich Reporter für Galileo. Wieder nichts.


Ein Anruf aus Köln


Anfang März 2020, zwei Tage bevor die WHO die Pandemie ausrief und einen Monat vor der Geburt unseres ersten Sohnes, meldete sich eine junge Redakteurin einer Kölner Produktionsfirma. Sie suchten Reporter für die Sendung und waren auf mich gestoßen.

Es folgte, was in der Branche üblich ist: Videocalls, ein Kennenlernen, ein Probedreh in Ehrenfeld, wo ich früher gewohnt hatte. Ich wurde genommen. Leicht fiel mir die Zusage nicht. Unser Sohn war ein halbes Jahr alt, gedreht werden sollte überall, und die Beratung kam gerade in Gang. Ich habe trotzdem ja gesagt. Einmal wollte ich dem alten Traum noch Raum geben.


Gedreht wurde im November 2020, mitten im Lockdown, in Koblenz, Berlin und Köln. Danach kam nichts mehr. Kein neuer Termin, keine Rückmeldung. Auch das ist in der Branche nicht ungewöhnlich.


Warum ich an diesem Abend nichts gepostet habe


Früher hätte ich sofort einen Post geschrieben, der mich als erfolgreichen TV-Reporter zeigt. Ich wäre mit geschwellter Brust vor die Tür gegangen und hätte in den Gesichtern der Passanten gesucht, ob sie mich gesehen haben.


An diesem Abend habe ich nichts geschrieben. Die Nachrichten waren herzlich. Meine Schwiegereltern riefen stolz an. Die Mutter eines alten Freundes war zu Tränen gerührt, weil sie mich in ihrer Lieblingssendung gesehen hatte. Nichts davon änderte etwas daran, dass ich mich nicht gut fühlte.


Es lag nicht am Beitrag. Es lag an dem, was er mitbrachte: den Fahrer, der hinten sitzen wollte, und die Hoffnung, aus ein paar hellen Momenten vor der Kamera etwas Dauerhaftes zu machen. Ruhm, Prominenz, das ganze Programm.


Akzeptiert ist nicht verstanden


Bis zu diesem Sonntag hatte ich akzeptiert, kein Fernsehstar geworden zu sein. Verstanden hatte ich es nicht. Das habe ich an diesem Abend gemerkt, als eine Handvoll Fotos von Fernsehern etwas berührt hat, das ich für erledigt hielt.

Ich stehe immer noch gern vor Menschen und manchmal vor einer Kamera. Nur hängt nichts mehr daran, ob mich jemand auf der Straße erkennt.


Wie der Weg von der Bühne in die Beratung weiterging, steht in meiner Vita.


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