Führungskräfte-Coaching: 5 Argumente dafür und 5 dagegen


Vor zehn Jahren war ein Coaching etwas, das man für sich behielt. Wer eins hatte, sagte es nicht, und wer eins bezahlte, verbuchte es unter Weiterbildung. Diese Zeiten sind vorbei, und das ist eine gute Nachricht: Heute steht in Stellenanzeigen für Führungspositionen, dass Coaching zum Paket gehört.
Geblieben ist ein anderes Problem. Wer heute nach Führungskräfte-Coaching sucht, findet Texte über Resilienz, Agilität, Potenzialentfaltung, emotionale Intelligenz und ganzheitliche Entwicklung. Alles davon stimmt irgendwie, und keines davon beantwortet die Frage, die Sie tatsächlich haben: Ist das hier das richtige Format für meinen Fall, oder brauche ich etwas anderes?
Deshalb zehn Argumente in normaler Sprache. Fünf, die dafür sprechen, und fünf, bei denen ich Ihnen von einem Coaching abrate und sage, was stattdessen passt.
Kurz gesagt: Führungskräfte-Coaching ist Einzelarbeit an der eigenen Führungsrolle, in der Regel über wenige Termine mit Abstand dazwischen. Es passt bei Entscheidungen, Konflikten, Rollenwechseln und fehlender Rückmeldung. Es passt nicht, wenn fachliches Handwerk fehlt, wenn das Problem in der Organisation liegt, wenn jemand geschickt wurde, wenn dauerhafte Reflexion gesucht ist oder wenn es um Gesundheit geht.
Warum die Werbetexte nicht weiterhelfen
Die Begriffe, mit denen Coaching beworben wird, beschreiben Wirkungen, keine Anlässe. Niemand ruft an, weil er Resilienz aufbauen möchte. Angerufen wird, weil eine Beförderung ansteht, weil zwei Abteilungen zusammengelegt werden, weil ein Teammitglied seit Monaten blockiert oder weil jemand nachts wach liegt und nicht weiß, warum.
Wirkungsversprechen sind austauschbar und deshalb wertlos für Ihre Entscheidung. Anlässe sind es nicht. Die folgenden zehn Punkte sind deshalb an Anlässen sortiert.
Fünf Argumente für ein Führungskräfte-Coaching
1. Kein ehrliches Feedback mehr: die Einsamkeit der Führungsrolle
Je höher Ihre Position, desto weniger erfahren Sie darüber, wie Sie wirken. Ihr Team hat gute Gründe, Ihnen nicht alles zu sagen. Ihr Chef sieht Ergebnisse, nicht die Führungsarbeit dahinter. Was Sie noch zurückbekommen, ist höflich und deshalb wertlos.
Ein Coaching ist der einzige Termin in Ihrer Woche, an dem jemand nichts davon hat, Ihnen zuzustimmen. Das ist kein Wohlfühlargument. Das ist ein Informationsproblem.
2. Neue Rolle, neue Aufgabe: der Rollenwechsel als häufigster Anlass
Der Rollenwechsel ist der Anlass, mit dem die meisten Führungskräfte zu mir kommen. Sie waren die beste Fachkraft und führen jetzt das Team, in dem Sie gestern noch saßen. Sie sind aufgestiegen und merken, dass Führen ein anderer Beruf ist. Sie leiten Menschen, die älter und länger dabei sind als Sie.
Dafür gibt es kein Seminar. Es gibt keine allgemeine Antwort, es gibt nur Ihre. Genau dort arbeitet systemisches Coaching: an Rollen, Erwartungen und Beziehungen, nicht an Techniken.
3. Ein vertraulicher Raum, in dem nichts Folgen hat
Vertraulichkeit ist nicht die Verpackung der Leistung, sie ist die Leistung. In Ihrem Haus hat jedes Gespräch eine Nebenwirkung. Sagen Sie Ihrem Chef, dass Sie zweifeln, ist es ab dann bekannt. Sagen Sie es im Team, wird eine Ansage daraus. Sagen Sie es zuhause, laden Sie es bei jemandem ab, der es nicht tragen sollte.
Im Coaching können Sie eine Entscheidung durchspielen, die Sie am Ende nicht treffen. Sie können unfair über jemanden reden und es zurücknehmen. Was dort besprochen wird, bleibt dort. Auch wenn Ihr Arbeitgeber zahlt.
4. Ein Anlass mit Datum: Beförderung, Konflikt, Entscheidung
Coaching ist anlassbezogen und zeitlich begrenzt. Eine Übernahme steht an. Ein Konflikt eskaliert. Eine Entscheidung will getroffen werden. Eine neue Rolle beginnt in acht Wochen. Dann passt das Format, weil es einen Anfang und ein Ende hat.
Manche Anliegen sind nach drei Terminen geklärt. Das ist das normale Ergebnis, nicht das schlechte. Wer Ihnen im Erstgespräch ein Jahrespaket anbietet, verkauft nicht Ihr Anliegen, sondern seine Auslastung.
5. Zwischen den Terminen ausprobieren: der Transfer in den Alltag
Der Abstand zwischen den Terminen ist kein Zufall, er ist der Wirkmechanismus. Sie nehmen etwas mit. Sie probieren es in einer echten Situation aus. Beim nächsten Mal reden wir darüber, was wirklich passiert ist, statt darüber, was passieren müsste.
Das ist auch der Unterschied zur Beratung. Ein Berater gibt Ihnen eine Lösung mit, die in Ihrem Haus vielleicht funktioniert. Im Coaching bringen Sie eine mit, die dort funktioniert hat oder eben nicht. Für die Termine dazwischen ist online oft die praktischere Variante.
Fünf Argumente gegen ein Führungskräfte-Coaching
6. Es fehlt Handwerk: dann ist ein Führungskräftetraining richtig
Wenn wirklich Können fehlt, ist Coaching der Umweg. Sie haben nie gelernt, ein Jahresgespräch zu führen, eine Zielvereinbarung zu schreiben, eine Trennung auszusprechen. Dann brauchen Sie kein halbes Jahr Reflexion. Sie brauchen zwei Tage Übung und jemanden, der zusieht und korrigiert.
Das ist ein Training. Welche Form wann passt, habe ich in einem eigenen Artikel sortiert.
7. Das Problem liegt in der Organisation: dann ist es Organisationsentwicklung
Wenn die Ursache im System liegt, macht ein Coaching die falsche Person zuständig. Sie erkennen es an drei Zeichen: Zwei Bereiche haben Ziele, die sich widersprechen. Zuständigkeiten sind seit Jahren ungeklärt. Mehrere Führungskräfte beschreiben unabhängig voneinander dieselbe Erschöpfung.
Ein Coaching hilft Ihnen dann, ein Systemproblem besser auszuhalten. Das entlastet kurzfristig und ist auf Dauer die teuerste Lösung. Solche Fragen gehören in die Organisationsentwicklung.
8. Sie wurden geschickt: dann funktioniert es nicht
Ein Coaching gegen den eigenen Willen bringt nichts. Die Personalabteilung hat gebucht, Ihr Chef hat den Termin gemacht, und Sie wissen selbst noch nicht, worum es gehen soll. Dann sitzen Sie eine Auflage ab.
Ich mache das nicht. Nicht aus Prinzip, sondern weil es nicht wirkt. Es kostet Ihre Zeit und das Geld Ihres Arbeitgebers, und hinterher ist alles wie vorher. Wenn Sie geschickt wurden, frage ich deshalb nicht als Erstes, woran wir arbeiten. Ich frage, ob Sie überhaupt wollen. Was Sie darauf antworten, bleibt zwischen uns.
9. Sie suchen einen Rhythmus, keinen Anlass: dann ist es Supervision
Wenn Sie keinen Anlass haben, sondern einen laufenden Bedarf, suchen Sie kein Coaching. Sie wollen alle sechs Wochen zwei Stunden, in denen Sie auf Ihre Arbeit schauen. Unabhängig davon, ob gerade etwas brennt.
Dieses Format heißt Supervision und hat seine eigene Logik. Ich biete beides an.
10. Es geht um Gesundheit: dann ist es Therapie
Coaching arbeitet mit gesunden Menschen an einer beruflichen Rolle. Therapie behandelt Krankheit. Wenn Sie seit Monaten nicht schlafen, wenn die Erschöpfung den Urlaub überdauert, wenn Sie sich selbst nicht wiedererkennen, dann ist das eine medizinische Frage und keine Führungsfrage.
Ich sage das im Erstgespräch, wenn ich es höre. Und auch mitten in einem laufenden Prozess. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der seine Grenze kennt, und jemandem, der alles verkauft.
Und die Frage, die niemand stellt
Eine Sorge höre ich trotzdem noch, meist gegen Ende des Erstgesprächs und halb im Scherz: ob ein Coaching nicht doch ein Eingeständnis sei.
Ist es nicht. Wer sich ein Gegenüber sucht, organisiert sich die Rückmeldung, die seine Position ihm sonst nicht mehr liefert. Ich nehme aus demselben Grund selbst regelmäßig Supervision in Anspruch. Man sieht sich beim Arbeiten nicht zu.
Und falls Sie beim Lesen gemerkt haben, dass Ihr Fall in eine der fünf anderen Schubladen gehört: umso besser. Dann haben Sie sich ein Gespräch gespart, in dem ich Ihnen dasselbe gesagt hätte.
Wie ich arbeite, wo wir uns treffen und was es kostet, steht auf der Seite Führungskräfte-Coaching im Ruhrgebiet: in Dortmund, Bochum, Essen und online, für Selbstzahler ab 250 Euro netto pro Stunde. Wenn Sie bei den Begriffen unsicher sind, hilft die Sortierung zwischen Business-, Führungskräfte- und Unternehmer-Coaching.
Als systemischer Coach, Supervisor (DGSF) und Moderator begleite ich Menschen und Organisationen im Ruhrgebiet, wenn es drauf ankommt. Mehr über meinen Weg in der Vita.
Schreiben Sie mir an info@felixschlebusch.de oder rufen kurz durch: +49 163 2863165
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