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Wichtige Rede vorbereiten: Niemand muss ein anderer werden, um vorne zu überzeugen

Autorenbild: Felix Schlebusch
Felix Schlebusch
vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit

Die besten Sätze einer Rede fallen oft im Vorgespräch. Sie kommen beiläufig, sie klingen nach dem Menschen, der sie sagt, und kurz darauf werden sie gestrichen, weil sie zu banal wirken. Was an ihre Stelle tritt, klingt glatter. Solche glatten Sätze liefert die KI heute in Sekunden.


Eine wichtige Rede überzeugt durch das Gegenteil, ob vor der Belegschaft, beim Kunden, beim Verband oder vor der Presse. Sie klingt nach Ihnen, sie nimmt die Frage der Zuhörer auf, und sie sagt, was danach anders sein soll. Wer eine wichtige Rede so vorbereiten will, braucht Zeit. Ein anderer werden muss dafür niemand.


Ich weiß, wie viel an solchen Worten hängt. In 25 Jahren als Moderator und Reporter war ich fast nie Experte für das Thema. Ich habe mich eingearbeitet und den Ton gesucht, beim Minister in der Krise wie beim Fußballer nach der Niederlage. Mit Kindern auf dem Spielefest habe ich anders gesprochen als mit einem Gerber in Marokko. Den habe ich erst in der Lauge erlebt, dann bei ihm zu Hause beim Tee. Experte bin ich für etwas anderes geworden: für fast jede Situation die richtigen Worte zu finden.


Bei Ihrer Rede ist die Rollenverteilung deshalb klar. Ihr Thema und Ihre Leute kennen Sie besser als jeder andere. Ich bringe die andere Hälfte mit: den Blick dafür, welche Worte in diesem Moment tragen. So habe ich zum Beispiel den Inhaber einer internationalen Kanzlei auf seine Rede beim jährlichen Sales-Event vorbereitet, vor den wichtigsten Mandanten des Hauses.


Meine Vorbereitung einer wichtigen Rede hat sechs Schritte:


  1. Zuhörer: bei den Menschen im Saal anfangen, nicht beim Text.

  2. Eigene Sätze: sammeln, was Ihnen in Fleisch und Blut ist, auch wenn es banal wirkt.

  3. Aufbau: Botschaft, Einstieg und Aufforderung festlegen.

  4. Kritische Frage: sie selbst ansprechen, bevor sie gestellt wird.

  5. KI: zum Sortieren nutzen, nicht zum Sprechen.

  6. Probe: laut sprechen, vor wohlwollenden und kritischen Zuhörern.


Eine Rede vorbereiten heißt, bei den Zuhörern anzufangen

Am Anfang stehen die Menschen im Saal, nicht der Text. Jedes Publikum kommt mit einer Frage, ob es sie ausspricht oder nicht: Was heißt das für mich? Die Belegschaft will wissen, was sich für ihre Arbeit ändert, der Kunde, was er davon hat. Wer mit dem Rückblick und den eigenen Zahlen anfängt, beantwortet die eigene Frage, nicht die der Leute.


Als Moderator erlebe ich auf Podien immer öfter, was passiert, wenn man das vergisst. Gäste lassen sich ihre Antworten vorher von der KI schreiben und erzählen dann Allgemeines, das zu niemandem im Saal passt. Deshalb fange ich in der Vorbereitung nicht beim Text an. Ich rege dazu an, selbst zu denken, sich in die Zuhörer hineinzuversetzen und sich an eigene Erlebnisse zu erinnern.


Im Gespräch frage ich: Wer sitzt vor Ihnen, und was wollen diese Menschen an dem Tag von Ihnen hören?


Ihre besten Sätze haben Sie schon, Sie halten sie nur für banal

Ihre besten Sätze sind die, die Ihnen in Fleisch und Blut sind. Sie sagen sie im Gespräch ohne Nachdenken, und genau diese Sätze tragen später vorne. Viele halten sie aber für zu einfach und verschlimmbessern, was schon gut war.


Unter vier Augen fallen solche Sätze fast von selbst. Meine Arbeit ist dann vor allem, sie festzuhalten, bevor sie wieder verschwinden.


Im Gespräch frage ich: Wie würden Sie das jemandem erklären, der Sie beim Kaffee danach fragt?


Eine Rede braucht eine Botschaft, einen Einstieg und eine Aufforderung

Eine wichtige Rede hat eine Botschaft, und die ist ihr roter Faden. Wer sie nicht in einem Satz sagen kann, hat noch keine. Alles andere ist Beleg für diesen Satz oder gehört in eine Mail. Eine gute Rede funktioniert deshalb auch dann, wenn der Beamer ausfällt.


Der Einstieg nimmt die Frage auf, mit der die Leute gekommen sind. Vor der Kamera ist es dasselbe: Fachleute beginnen gern mit der Definition, die Zuschauer aber mit ihrer eigenen Frage. Wie das aussieht, steht im Bericht über die Videoformate des ISM.


Am Ende steht eine Aufforderung: Was sollen die Leute danach tun? Die Belegschaft ab Montag anders arbeiten, der Kunde den nächsten Termin vereinbaren. Ohne Aufforderung endet eine Rede mit Applaus und ändert nichts. Bei einer Rede vor Mitarbeitern steht diese Aufforderung oft schon im Konzept des Tages. Wie man diese Aufforderung findet, steht im Artikel Jahresauftakt planen.


Im Gespräch frage ich: Wenn Ihre Leute nur einen Satz mitnehmen, welcher soll es sein?


Die kritische Frage sprechen Sie selbst an

Bei jeder wichtigen Rede gibt es eine Frage, die niemand gern hört. Vor der Belegschaft wird sie oft nicht laut gestellt: ob Stellen wegfallen, warum ein Projekt gestoppt wurde. Vor der Presse wird sie gestellt, ob Sie wollen oder nicht. Wer sie selbst anspricht, wirkt souveräner als mit jeder Antwort aus der Defensive, auch wenn die Antwort nicht allen gefällt.


Im Gespräch frage ich: Welche Frage hoffen Sie, dass an dem Tag niemand stellt?


Rede mit KI vorbereiten: hilfreich beim Sortieren, sprechen müssen Sie selbst

KI ist beim Vorbereiten einer Rede ein guter Sparringspartner, aber zu Ihrer Rede wird der Entwurf erst durch Sie. Ich nutze sie selbst zum Strukturieren. Beim ersten Entwurf hilft sie mir, die Komplexität eines Themas zu fassen, und ihre Vorschläge geben mir Orientierung. Was vor Publikum funktioniert, kommt dagegen nicht aus der Maschine. Das habe ich in vielen Jahren auf der Bühne gelernt, und ohne diese Erfahrung wären auch die besten Vorlagen generisch.


Wie genau Zuhörer darauf achten, von wem die Worte stammen, zeigt eine Studie der University of Florida. Dort bewerteten 1.100 Berufstätige Glückwunschnachrichten von Vorgesetzten. War die Nachricht mit wenig KI entstanden, hielten 83 Prozent die Vorgesetzten für aufrichtig. Bei viel KI waren es nur 40 bis 52 Prozent.


Bevor Sie einen Entwurf aus der KI übernehmen, lohnen sich ein paar ehrliche Fragen:


  • Sind das Ihre Worte, und klingen sie nach Ihnen?

  • Bekommen Sie die Sätze vor Ihren Leuten so heraus, wie Sie sonst frei reden?

  • Ist der Text, der in Sekunden entstanden ist, auch so schnell in Fleisch und Blut?

  • Sind Sie bereit, die Meter zu gehen, bis aus dem Entwurf Ihre Rede wird?

  • Lässt Ihnen das Tempo der Maschine noch die Zeit, die eine persönliche Rede braucht?


Eine Rede ist erst fertig, wenn Sie sie laut gesprochen haben

Im Kopf klingt jeder Satz gut, laut gesprochen zeigt sich, welcher trägt. Am besten proben Sie vor jemandem, der wohlwollend zuhört, und vor jemandem, der kritisch zuhört. Wer möchte, nimmt sich mit dem Handy auf und schaut es sich danach an.


Auswendig lernen muss niemand. Den Einstieg und die Aufforderung sollten Sie aber ohne Zettel können. Dass die Aufregung trotzdem bleibt, ist normal; mehr dazu im Artikel über Lampenfieber und Redeangst.


Im Gespräch frage ich: Bei welchem Satz stocken Sie noch?


Mit Begleitung kommen Sie schneller zu Ihrer Rede

Die eigene Rede braucht Zeit, und im direkten Sparring nutzen Sie diese Zeit besser. Sie sprechen, und die Rückmeldung kommt sofort. Ich höre auch die Zwischentöne, die in keinem Text stehen. Im Chat mit der KI verliert man sich dagegen leicht: noch eine Variante, noch eine Schleife, und am Ende klingt alles gleich. Im Gespräch prüfen wir jeden Satz gleich laut, und Sie wissen nach kurzer Zeit, woran Sie sind.


Bei Beschwerden lesen Sie auch nicht nur im Internet nach, Sie gehen zum Arzt. Bei einer Rechtsfrage fragen Sie eine Anwältin, beim undichten Dach einen Dachdecker. Für eine Rede, von der viel abhängt, gilt dasselbe.


Wie viel Begleitung Sie brauchen, hängt vom Anlass ab:


  • Schneller Check: Wir gehen Ihre Rede in zwei Stunden durch, Sie sprechen sie laut und bekommen direkte Rückmeldung.

  • Intensive Vorbereitung: mehrere Termine vom ersten Gespräch bis zur Probe, mit Aufnahme. Wir suchen den ersten Satz, bauen die Rede auf und streichen, was nicht trägt.

  • Begleitung zum Auftritt: Ich sitze beim echten Auftritt im Saal und sage Ihnen danach, was angekommen ist.


Kurzfristig geht es auch online, und meistens findet sich sogar für übermorgen noch ein Termin.


Einen Geschäftsführer habe ich zum Beispiel auf den Kick-off zu einem Markenwechsel vorbereitet. Im Saal saßen der eigene Außendienst und die Mitarbeitenden des Großhandels. Wie dieser Tag lief, steht im Bericht zur Kick-off-Moderation auf Zeche Zollverein.


So bereite ich Reden vor Mitarbeitern vor, etwa zum Jahresauftakt oder bei der Weihnachtsfeier. Genauso arbeite ich beim Pitch vor dem Kunden, beim Vortrag vor dem Verband und beim Interview vor der Kamera. Mehr dazu steht auf der Seite zum Präsentationscoaching. Ablauf, Dauer und Formate stehen im Artikel Präsentationstraining für alle, die eigentlich nicht gern präsentieren. Beschreiben Sie mir Ihren Anlass und den Termin. Dann sage ich Ihnen, an welcher Stelle ich helfen kann.

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